Pro & Kontra: Funktions-Sportbekleidung - ja oder nein?

21. November 2022

Pro

Thomas Borowski mag Sportbekleidung aus Baum- oder Schurwolle, wenn sie aus umwelt- und tierverträglicher Produktion stammt. Und grosser Fan ist er von Equipment, wenn es eine Funktion verspricht.

Auch wenn ich an dieser Stelle und vor geraumer Zeit heftig gegen alle Arten von Sport-Gadgets geschrieben und das Motto «Back to basics» ausgerufen habe, möchte ich hiermit von ganzem Herzen kundtun: Bei Sportbekleidung mit angeblicher Funktion werde ich schwach. Wenn die gewieften Marketingslogans dem superengen Joggingshirt der Marke X ein besonderes Temperaturmanagement und dadurch mehr sportliche Ausdauerleistung zuschreiben – gekauft! Und wenn die neue Trainingsjacke der Marke Y garantiert hundert Prozent wasserdicht sein und gleichzeitig mehr atmen soll als ein Fisch an Land, dann bin ich dabei – gekauft!

Stets ist mir bei diesen Kaufentscheiden eines bewusst: Auch wenn der Begriff der Funktion laut Wikipedia die Aufgabe bezeichnet, die ein Objekt zu erfüllen hat und dessen Charakteristik ausmacht, bekommt man bei Sportbekleidung selten bis nie eine Garantie auf die versprochene Funktionalität. Im Gegenteil: Die Funktionalität und deren Erfüllung liegt meiner Erfahrung nach zumeist im Auge des Betrachters. Sie lässt sich nach dem Kauf wohl nur in seltensten Fällen einfordern. Und das ist für mich auch gut so.

Denn wann immer mir ein Sportbekleidungsteil eine Funktion verspricht, hat diese mit grosser Wahrscheinlichkeit mit Leistungsförderung zu tun. Und wer von uns will nicht länger, weiter, höher, trockener, ausdauernder oder besser unterwegs sein? Eben! Funktions-Sportbekleidung ist die eierlegende Wollmilchsau. «Dress for success» lautet hier mein Motto der Stunde. Je mehr Funktion das Produkt verspricht, desto besser ist meine sportliche Leistung. Ist doch logisch, oder!?

Deshalb mein Tipp für die kommenden Tage des Weihnachtsgeschäftes: In den Sportgeschäften die Augen offen halten für Aktionen bei der Funktions-Sportbekleidung! Denn jetzt schlagen die Marketingversprechen gleich mehrfach zu: Viel Funktions-Sportbekleidung zum halben Preis. Mehr für weniger geht nun wirklich nicht. Ob mit oder ohne Funktions- oder Tiefpreisgarantie – gekauft ist halb gewonnen. Frohe Fest- und Funktionstage allerseits.

 

KONTRA

Claudio Zemp träumt von einem Overall, den man einfach überall – und bei jeder Gelegenheit! - tragen kann. Ähnlich wie ein Astronaut: Ein all-in-one-Tenü. Ja, das wär’s.

Der legendäre Magnum-Fotograf Henri Cartier-Bresson (1908-2004) erzählte einen Witz über die Engländer, die er in ihren Ferien fotografierte, damals in den 1960ern. Alle Menschen kämen nackt zur Welt, nur in England sei es die Sonntagstracht. Cartier-Bresson war ein Franzose der alten Schule. Er meinte es als Kompliment. In England mögen die Menschen wohl etwas steif sein, womöglich gar prüde erscheinen, aber immerhin haben sie darin Stil. Und sie sind stets sich selbst. 

Sportkleider haben ja mindestens zwei Aspekte, einen funktionalen und einen modischen. Mir ist die Funktion völlig egal, ich achte aber auf das Äussere, weshalb ich Funktionskleidung verachte. Wer will schon auffallen? Und wenn schon alle im Fitnessstudio Neon tragen, müsste ich, wenn ich auffallen wollte, ganz in schwarz oder weiss trainieren gehen. Ich will aber nur meine Übungen machen.   

Keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt ein Stück, dass ich beim Sport immer anziehe: das Unterleibchen. Im Laden wird es auch als „Tank Top“ angepriesen, jedenfalls muss es ärmellos sein. Ich brauche es und ziehe es immer an, wegen seiner Funktionen: Es wärmt und saugt Schweiss. Neu muss es dagegen nicht sein.   

Sonst gibt es meiner Meinung nach genug Vorschriften und Reglemente, die immer mehr Sicherheitsfunktionen fordern, die ich grosszügig und frei interpretiere. Ja, ich trage einen Velohelm. Und eine Gelbweste auch. Und ich fahre nie ohne Licht oder ohne Bremsen, bin ja nicht blöd.

Aber statt teuren Markenhandschuhen gegen kalte Finger tun es auch ganz gewöhnliche Gartenhandschuhe. Dafür ziehe ich fürs Yoga mein weissestes Hemd an, frisch gebügelt, wenn mir danach ist. Und gehe auch mal in den Halbschuhen joggen. Damit man wieder mal spürt, dass es seit 1960 doch Fortschritte gab. Zu Weihnachten aber wünsche ich mir einen Overall, vulgo Blaumann, wie ihn die Astronauten im Training tragen. Etwa Tom Cruise in Top Gun II.

 

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