Pro & Kontra: Sport in Corona-Zeiten: Jetzt erst recht nur individuell trainieren?

12. Oktober 2020

Pro

Thomas Borowski mag Workouts in der Gruppe grundsätzlich, hat die letzten Monate die Vorteile des individuellen Trainings aber sehr zu schätzen gelernt, auch wenn der Verzicht gross ist. 

Dass eine Pandemie den Lauf der Dinge auf der ganzen Welt einmal so beeinträchtigen würde, hat sich wohl nie jemand vorstellen können. Nun sind wir alle gezwungen, mit der Tatsache zu leben und das Beste daraus zu machen. Nur gut, gibt es den Sport! Denn Sport ist und war schon immer ein probates Mittel, um sich von schwierigen Dingen abzulenken und die Gedanken zu zerstreuen. Das hat sich auch in der Corona-Krise wieder gezeigt. Sportliche Betätigungen boomen die vergangenen Wochen und Monate. Sport-Apps und Online-Trainings finden riesigen Zuspruch und noch nie zuvor waren auf den Vita-Parcours unserer Wälder und in der Natur so viele Sporttreibende anzutreffen wie jetzt.

Ganz bewusst habe ich mich in diesem Jahr von Gruppentrainings verabschiedet. Nur temporär und schweren Herzens zwar, aber bestimmt. Denn was für einen Sinn macht es, im Alltag grossen Menschenansammlungen auszuweichen und jegliche Körperkontakte wenn immer möglich zu vermeiden – und dann abends in der Gruppe in einem geschlossenen Raum gemeinsam zu schwitzen und zu keuchen? Nein, darauf habe ich nun mal einfach keine Lust, auch wenn alle vorgeschriebenen  Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind, der Trainingsbesuch bedenkenlos ist und die Abstände zwischen den Trainierenden noch so gross sind.

Ich geniesse die nächste Zeit meine Trainings individuell und wohl noch bewusster als je zuvor. Das Alleinsein spielt mir dabei keine so grosse Rolle. Hauptsache, ich bleib gesund und kann den Sport treiben, der mir Spass macht. Und dass diese erzwungene Sportisolierung wahrscheinlich noch für eine ganze Weile so sein wird, macht mir ebenfalls nichts aus. Ein ganz persönlicher Entscheid für den momentanen Verzicht, aber für mich die derzeit richtige Wahl. Denn eines ist klar: Wenn die ganze Pandemie vorbei ist, werden wir alle das Gemeinsame und das Miteinander in der Gruppendynamik wieder umso mehr schätzen. Ich jedenfalls freue mich jetzt schon darauf, mein Sportprogramm wieder mit Body Combat oder Superkondi bereichern zu können.

 

Kontra

Claudio Zemp stürzt sich mit Maske, Abstand und Anstand ins Basketballtraining. In der Turnhalle turnen trotz der Seuche: Ja. Soziales Zusammenspiel muss möglich sein.

Okay, jetzt leben wir schon mehr als ein halbes Jahr mit dieser Seuche. Anfangs fand ich das schrecklich, die Durchsagen im Supermarkt, das Verbot der menschlichen Nähe, die Hygienehysterie und das Versammlungsverbot. Doch ich habe mich an vieles gewöhnt, selbst ans Pendeln mit Maske. Das Virus ist da, es zu leugnen ist nur doof. Aber wir wissen unterdessen auch, dass Händewaschen, Maskentragen und Abstandhalten tatsächlich wirken. Ich sehe es so: Rücksicht und Solidarität werden aus dem öffentlichen Raum nicht verschwinden, so lange diese Krankheit umgeht.

Aber tun möchte man ja auch noch was. Also habe ich auf den Herbst wieder mit Basketball angefangen. Einmal die Woche, immer montagabends ist Training. Vier bis sieben Leute zwischen 35 und 55 bilden die Risikogruppe. Das Schutzkonzept sieht vor, dass die Garderoben zu sind. Man zieht sich vorher um, trägt Maske, auch in der Turnhalle, und duscht zuhause. Wer hüstelt oder verschnupft ist, bleibt daheim. Eigentlich sind das ja Basics, oder? Und was ist mit dem Handshake vor und nach dem Spiel? Irgendwann wird das auch wieder möglich sein, ich freue mich darauf. Derweil mache ich statt High 5 den Klingongengruss von Mister Spock. Oder den Ebola-Ellbogen. 

Es wird noch eine Weile schwierig bleiben. Wenn die Grippesaison nun wieder losgeht, werden wir weiter üben können: Abstand halten, Anstand walten lassen, Sport und Spiel mit angezogener Handbremse, mit Plexiglasvisier in Gesellschaft, aber immerhin, mit einem Lächeln. Man kann sich frei bewegen. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Bleibt gesund!

 

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