Duale Karriere – wie geht das? Welche Möglichkeiten bieten die Schweizer Hochschulen ihren Spitzensport treibenden Studierenden? Diesen und anderen Fragen stellten sich die ETH-Rektorin Prof. Dr. Sarah M. Springman, Mountainbike-Weltmeisterin und UZH-Studierende Jolanda Neff sowie Antonia Erni, Projektkoordinatorin Spitzensport und Studium vom Schweizer Hochschulsportverband (SHSV) am 21. November innerhalb der ASVZ-Vortragsreihe «Sport & …».

Spitzensport betreiben heisse einen Weg begehen, auf dem drei Erfolgsfaktoren zählten: Talent, Ziele und Fleiss, führte Prof. Dr. Sarah M. Springman zu Beginn ihres Referats zu Spitzensport & Studium aus. Drei Faktoren, die gleichermassen für ein erfolgreiches Studium relevant seien. Athletinnen und Athleten müssten genau wissen, wo ihre eigenen Stärken liegen, sich darauf aufbauend erreichbare Ziele setzen und dann kontinuierlich und hart arbeiten. Erfahrungen aus einem Bereich würden einem auch im anderen zu Gute kommen. Um seine Ziele weiterzuverfolgen, gehe es des Weiteren darum, nicht nur an seine Grenzen zu stossen, sondern über sich hinauszuwachsen. Springman erläuterte dies beispielhaft am Vorgang der Fliessgrenze, bei der Grenzen erweitert werden, um neue Erfolge zu verzeichnen. Dies wiederum erfordere nicht nur Fleiss, sondern auch Wille.

Auch für Jolanda Neff ist der Wille entscheidend. «Das Einzige was zählt, wenn du Spitzensport betreiben und daneben ein Studium machen willst, ist, dass du es wirklich willst». Denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, die erwünschte Laufbahn zu verfolgen. Den müssen die Hochschulen aber mitgestalten. «Wir können den Spitzensport treibenden Studierenden beim Faktor Zeit entgegenkommen. Abstriche in der Qualität stehen jedoch ausser Frage, an der Qualität können wir nicht schrauben», so Rektorin Springman zu den bereits bestehenden Strukturen an der ETH Zürich.

So weit wie die ETH sind noch nicht alle Schweizer Hochschulen. Dies zeigte Antonia Erni anhand einer Studie aus dem Jahr 2011 auf. Demzufolge beurteilten 60% der befragten studierenden Spitzensportlerinnen und Spitzensportler die Unterstützung seitens der Hochschulen als mässig bis schlecht. Dieser Wert hat sich seither zwar leicht verbessert, ist aber immer noch mangelhaft. Woran liegt das? Jolanda Neff sieht ein Problem in der Schweizer Mentalität: «Es ist einfach Fakt, dass man in der Schweiz keine Vorschusslorbeeren bekommt. Man muss zuerst ’durch den Dreck gehen’ und etwas leisten, bevor man Rückhalt erfährt.» Die Unterstützung der Athletinnen und Athleten – gerade zu Zeiten, in denen der Erfolg (noch) auf sich warten lässt – ist aber nicht nur willkommen, sondern wichtig. Dabei kommt es auf die Organisation innerhalb der Hochschule an, die eine konkrete individuelle Planung der dualen Karriere ermöglicht. Profitieren würden nicht nur die Athletinnen und Athleten, auch die Hochschulen könnten Doppelerfolge durch erfolgreiche duale Karrieren verzeichnen.

Hausaufgaben haben beide Seiten: Die Hochschulen müssen Strukturen und Modelle schaffen, um für junge, Spitzensport treibende Studierende zum idealen Partner zu werden. Aufgabe der Athletinnen und Athleten sowie deren Sportverbände wiederum ist, aktiv auf die Hochschulen zuzugehen, um auf die Bedürfnisse aufmerksam zu machen und gemeinsam Lösungen zu finden. In Springmans Worten: «Having it all? Yes! It just takes a little longer.»

 

Bild: Adrian Villiger
Text: Rebecca Steiner, Silvana Ulber

Kontakt

Projektleiterin Spitzensport & Studium SHSV
Marilen Matter Graf
Hochschulsportlehrerin
Projektkoordinatorin Spitzensport & Studium SHSV
Antonia Erni
Projektkoordinatorin SHSV