Verbalsport - Der Coach

15. Mai 2018

Der sommerliche Frühling hält Einzug. Auch wenn ich noch nicht mit dem richtigen
Teint ausgestattet bin, so doch mit den passenden Kleidern: Kurz, knapp und
schonungslos ehrlich. Die Erinnerungen an den letzten Winter haften an meinem
Körper. Zeit diese abzuarbeiten, damit ich wortwörtlich unbeschwert in die neue
Jahreszeit treten kann.

Dazu brauche ich einen Coach. Seit einigen Jahren ist ein solcher nicht mehr nur
den Hollywood Sternchen zugänglich, sondern auch für den Durchschnittsbürger
erschwinglich. Natürlich kommt diese kostengünstigere Ausführung ohne den
braungebrannten durchtrainierten Adonis Körper. Dafür passt sie in jede Handtasche
und an jedes Handgelenk. Die Rede ist von der Smartwatch. Auf Ricardo ersteigere
ich mir eine solche Uhr. Meine Motivation ist gross und hängt gänzlich an diesem
Spielzeug. Dieser extrinsische Antrieb hat nicht nur den Vorteil, dass der Kauf eines
neuen Gadgets gerechtfertigt ist, sondern er erlaubt es mir auch bei Misserfolg
jegliche Schuld von mir zu weisen. Extrinsische Motivation und extrinsische
Attribution sind das Traumpaar des Menschen. Dagegen kamen nicht mal
Brangelina zu ihren besten Zeiten an.

Kaum ausgepackt und aufgeladen, ging es los. Mein Coach begrüsste mich und
begann mit dem Schrittzählen. 10'000 Schritte pro Tag lautet die Empfehlung der
WHO. Damit können wir nicht nur Herz-Kreislaufkrankheiten vorbeugen, sondern
auch Krebs, Alzheimer, Osteoporose etc. Einzig dem Tod kann man meines
Wissens mit 10'000 Schritten am Tag (noch) nicht entgehen. Diese Zahl zu
erreichen, stellt eine grosse Herausforderung im Alltag des Homo Sitzicus dar. 1,5
Stunden Spazieren bringt mich ans Ziel. Stellt sich jetzt die Frage, wie ich diese 1,5
Stunden auf meinen normalen Arbeitsalltag aufteile. Stündlich werde ich von
meinem Coach daran erinnert ein paar Schritte zu gehen, das hilft, löst aber das
Problem nicht. Mit dem ÖV unterwegs sein und Treppen statt Lift zu benutzen
bringen zusätzliche Schritte. Um das Ziel täglich zu erreichen, braucht es jedoch
entweder einen Jobwechsel oder einen täglichen Spaziergang nach der Arbeit.

Neben den Schritten erfasst der Coach auch meine Herzfrequenz, misst die
verbrauchten Kalorien und zählt meine aktiven Minuten. Trainings erfasst er
ebenfalls minutiös mit GPS Daten und allem was dazu gehört. Selbst nachts ruht er
nicht, sondern zeichnet meine Schlafphasen auf. Ein Beobachter auf Schritt und
Tritt. Zum Glück kann ich ihn auch einfach mal ausziehen oder den Akku nicht mehr
laden.

Dalia Hamdy, Hochschulsportlehrerin ASVZ

 

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