Sport & Herz: Von der Gratwanderung zwischen Minimum und Maximum

15. November 2018

Sport und Herz – passt das zusammen? Und wenn ja, wie gut? Betrachten wir ein Paar, das sich gegenseitig schadet? Oder kann Sport dem Herzen helfen, länger zu schlagen? Welches Trainingsmass ist das richtige? Am 23. Oktober 2018 beleuchtete PD Dr. med. Christian Schmied, Leitender Arzt am Universitären Herzzentrum Zürich, im Rahmen der ASVZ-Vortragsreihe „Sport & …“ vor breitem Publikum diese und weitere Fragen zum Thema Sport & Herz.

Herzensangelegenheiten sind komplex. Dies fängt beim Aufbau des Herzens als Organ an, geht bei seinem Mechanismus weiter und hört auch nicht beim Liebeskummer auf. Gibt es Wege – die emotionale Seite sei hier ausgeklammert - die Gesundheit des Herzens in seiner Komplexität durch Sport zu schützen respektive aufrechtzuerhalten?

Als bewegungsaffine Menschen befinden wir uns in einem Umfeld, das von Sport geprägt ist. Sport begleitet unser Leben, hilft uns, Ausgleich zu finden, was dem Herzen guttut. Doch wie lange geht dies ohne Risiken und Nebenwirkungen? Was ist zu tun, wenn Herzbeschwerden unsere Bewegungsfreiheit einschränken und müssen wir es überhaupt erst so weit kommen lassen?

PD Dr. med. Christian Schmieds Erfahrung mit dem Sportherz ist durch seine Tätigkeiten als Leitender Arzt am Universitären Herzzentrum Zürich sowie als Teamarzt verschiedener Schweizer Sportkaderteams enorm, was er während seines Referats eindrücklich unter Beweis stellte. Er führte das sehr heterogene Publikum nicht nur durch rudimentäre Funktionsweisen des Herzens, sondern wies auch auf Ursachen und Symptome möglicher Herzerkrankungen hin. Unbarmherzig können diese sein, teils durch Genetik und Ethnie bedingt, oft aber durch uns selbst als mehr oder minder aktive Sportler beeinflussbar.

Hier also kommen wir ins Spiel. Wir als junge Sporttreibende oder als Master-Athleten (bereits ältere Semester, N.B. bereits ab 40 Jahren), wir als Faultiere oder als extrem motivierte Hobby- oder Leistungssportler. Wenn es ums Herz geht, sind wir alle angesprochen und müssen uns fragen: Wie viel mache ich für mein Herz? Zu viel, zu wenig und wo ist eigentlich die Grenze?

Die Untergrenze an Bewegung für einen positiven Effekt auf das Herz liege bei 30 Minuten moderater Belastung pro Tag, so Christian Schmied. Einem Bewegungsmuffel ist diese Dauer, auch in zwei Mal 15 Minuten absolvierbar, als zügiger Spaziergang empfohlen, sozusagen als ÖV-Ersatz mit den eigenen Füssen. Für passionierte Sportler dürfte dieses Pensum ein Leichtes sein, diesen ist eher die Obergrenze beziehungsweise das optimale Mass an Trainingseinheiten ans Herz zu legen. Das

optimale Mass an Sport sei mit dem doppelten Pensum der Untergrenze definiert, also mit rund einer Stunde moderater Bewegung pro Tag. Dabei sei eine Abwechslung bei der Trainingsintensität und zwischen Kraft und Ausdauer empfohlen, führte Christian Schmied aus. Bleibt noch die Obergrenze zu bestimmen. Diese sei bei allen Extremen von Häufigkeit, Dauer oder Intensität anzusiedeln.  

Idealerweise spüren wir, wo sich unsere eigenen Limits befinden und wir sind bereits in gesundem Masse aktiv, nicht zuletzt, um Erkrankungen vorzubeugen. Prävention in Form von regelmässiger sportlicher Aktivität ist wichtig. Ebenso essentiell sind präventive Abklärungen bereits in jungen Jahren, auch wenn wir uns eigentlich wohl und gesund fühlen. Treten bereits Symptome, wie beispielsweise Unregelmässigkeiten des Herzrhythmus’ auf, wird es höchste Zeit, sich einem Kardio-Check zu unterziehen.

Zu wenig Bewegung schadet dem Herzen definitiv. Das Herz aber mit zu viel Anstrengung konstant zu überfordern zu viel Bewegung also schadet auch. Ein gesundes Mittelmass ist angebracht und dies muss individuell definiert werden. Kennt man seine optimale Dosis aber, ist Sport zweifellos gesund.

Die Komplexität des Herzens und der damit verbundenen Themen ist unumstritten. Dies wurde bei dem thematisch vielfältigen Referat von Christian Schmied einmal mehr klar. Ebenso zeigten dies die vielen Fragen des Publikums. Was jeder Einzelne als Nachricht des Vortrags mit nach Hause nimmt, bleibt so individuell wie der eigene Trainingsbedarf.  

Text: Rebecca Costabile

 

Der Sportcardio Check von Christian Schmied ist im ASVZ Testangebot unter folgendem Link zu finden.

Der ASVZ hat den Vortrag live mitverfolgt. Das Video ist auf ASVZ Facebook zu sehen.

Verantwortung Vortragsreihe

Rebecca Costabile
Direktionsassistentin

Kommunikation

Simone Eder
Projektleiterin Kommunikation

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