Das ist ...

2. Mai 2022

Afro Dance

Tanzen macht glücklich, das ist universell und rund um den Globus nichts Neues. Dass man ein offenes Herz dazu braucht, nebst Armen und Beinen, ist auch keine weltbewegende Neuheit. Und etwas Koordination, natürlich, das ist schon auch wichtig.

Aber was macht Afro Dance aus? Nun, da ist es sehr hilfreich, wenn eine Expertin zugegen ist, die einem die Schritte vorzeigt und einen bei Laune hält. Dann kann man etwas Neues lernen. Bei einer wie Gabi Glinz, Trainingsleiterin beim ASVZ, die jetzt sagt: «Ihr sollt tanzen, nicht arbeiten!»

Denn wir sind mittendrin, im Spiegelsaal des Sportzentrums Polyterrasse. Wir, das ist eine Truppe aus rund 20 Personen, Wir tanzen heute «Njanjale», einen malischen Tanz mit Bewegungen, die von der Arbeit des Wasserschöpfens am Brunnen inspiriert sind. Wir ziehen an einem imaginären Seil, mit beiden Händen gegen den Bauch, Zug um Zug, rhythmisch.

Wie, was und wo ist Mali? Ein riesiges Land in Westafrika, durch das der Niger strömt, wo die dicken Süsswassersäugetiere leben, Nilpferde, die dem Land den Namen gaben: Mali, eben.

Dazu trommelt Tony Majdalani auf einem «Handban», einen melodiösen Sound, der den Geist sofort Richtung Äquator zieht. Es wirkt wie Beamen: Tony zaubert die tropische Kulisse als Klangteppich her und wir fliegen flugs in die Subsaharazone. Die Sonne blendet, während wir spazieren und spazieren, in den Sog des Südens geraten.

Unter uns: Die Sache mit den Schritten ist natürlich schon etwas komplizierter, als es aussieht. Ein Anfänger muss den Kopf bei der Sache haben, damit es keine Knoten in den Beinen gibt und damit man nicht strauchelt. Wie lange das wohl dauert, bis einem sowas in Fleisch und Blut übergeht?

Übrigens sind wir alle farbenblind, hier im Saal, das spielt schlicht keine Rolle. Diversity rules. Wobei Tony und ich die einzigen Männer im Training sind. Tonys Muttersprache ist arabisch. Die Musik ist aber wie der Tanz eine Sprache, die alle Menschen verstehen. Egal ob Hahn, Huhn oder Küken. A propos Vögel: Jetzt fühlte ich mich für einen Moment grad vogelleicht.

Die Beinarbeit ist das eine, dazu kommen nun die Hände, die ebenfalls fliessende, organische Kreise ziehen, im Rhythmus von Tonys Trommel: Wir schütteln Wasser ab, mit den Händen und versuchen locker zu bleiben wie ein Gumpiball. Nun geht die Sonne langsam unter über der Savanne, und wir tanzen wie ein Bär auf der Langlaufloipe. Oder wandern wir durch die Wüste?

Wann tanztest du zum letzten Mal und hast alles rundherum vergessen? Bei mir war es neulich an einem Konzert im Kammgarn, zu Schaffhausen, an der Bar. Die Einstellung ist die halbe Miete, der Rest ist Fantasie und Energiefluss. Zum Glück muss man nicht jedes Mal von vorne anfangen. Man kann aufbauen auf früheren Erfahrungen, Tanzkursen und Lektionen des Lebens - eine der schönen Seiten des Alters.

Nun stellen wir uns in zwei Gruppen auf, setzen die geübten Sequenzen zusammen und tanzen aufeinander zu.
Vis-à-vis, face to face, step by step: Elf fröhliche Gesichter hier, elf zappelnde Wesen da. 
«Merkt ihr, wie sich das Energiefeld nun verändert?» fragt Gabi. Und es ist wahr, das ist das schönste am Tanzen, überhaupt, egal ob südlich oder nördlich des Mittelmeers: Man spürt die Energie der anderen Wesen, alle tanzen miteinander. Das Tempo wird gemeinsam gesteigert und gesteigert bis zum Schlussappell von Tony.

Das Kraftfeld war da, ja, und man ist dabei auch ins Schwitzen geraten. Das Glücksgefühl soll eine Weile halten. Afro Dance ist also auch ein Autoupdate für den Körper.

Also ist das Training für heute zu Ende, die Zeit verging im Flug, hier im Spiegelsaal der Polyterrasse, wo man schon beim Zumba schwitzte, mit Capoeira kämpfte oder Tango-Theater tanzte. Nebenan machen sie nun Kondi, in der grossen Halle, zu sehr lauter Musik.

Aber tanzen, ja, das geht noch, wie früher. Und an guten Tagen will ich es nun auch beim Abwasch in der Küche tun, wenn niemand guckt.

Claudio Zemp

 

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